Mit den Kitzrettern in Oberjosbach unterwegs
Warum Rehkitzrettung nötig ist
Hoch oben zieht die Wärmebilddrohne ihre Bahnen und sucht die Wiesen nach abgelegten Rehkitzen ab. Junge Kitze haben noch keinen ausgeprägten Fluchtinstinkt; bei Gefahr drücken sie sich tief ins Gras. In der Natur ist das eine instinktiv sinnvolle Strategie. Gerät jedoch ein Mähwerk in ihre Nähe, kann sie für die Tiere lebensgefährlich werden. Damit keine Rehkitze zu Schaden kommen, werden die Wiesen direkt vor der Mahd von der Rehkitzrettung abgesucht. Die Kitzrettung Rheingau-Taunus e.V. besteht aus einem Team ehrenamtlicher Drohnenpiloten und Kitzrettern und wird vom Feuerwehr-Löschverband Oberseelbach-Lenzhahn e.V. unterstützt.
Der Einsatz beginnt früh
Der Tag beginnt früh. Um 5 Uhr treffen wir – einige Jäger des Jagdreviers Oberjosbach – uns mit der Kitzrettung. Zum einen sind wir nicht die Einzigen, deren Wiesen heute abgeflogen werden. Zum anderen kann die Wärmebildkamera der Drohne Wärmequellen nur in den frühen, noch kühlen Morgenstunden zuverlässig erkennen.
Suche mit Wärmebilddrohne
Bevor die Drohne abhebt, wird die Polizei über den Flugeinsatz informiert – so viel Zeit muss sein. Dann geht es direkt los: Die Drohne steigt auf 40 Meter Höhe und fliegt GPS-gestützt mit 3,5 Metern pro Sekunde systematisch die zuvor festgelegten Routen über den Wiesen ab. Gebannt verfolgen alle das Bild auf dem großen Monitor im Heck des Löschwagens. Liegt dort etwas in der Wiese? Ja? Nein? Die Drohne geht tiefer und schaltet von der Wärmebild- auf die Normalsicht um. Es braucht einen geschulten Blick, um Wärmequellen am Boden sicher als Rehkitze zu erkennen.
Bergung und Schutz der Kitze
Werden Kitze entdeckt, machen sich die Kitzretter bereit. Sie ziehen Einmalhandschuhe an, nehmen die Bergungskiste mit und gehen zur markierten Stelle. Der Drohnenpilot lotst sie dabei zur Liegestelle des Kitzes. Die Handschuhe sind wichtig, denn die Kitze dürfen nicht mit bloßen Händen berührt werden. Andernfalls könnte die Ricke ihr Kitz möglicherweise nicht mehr annehmen. Zusätzlich wird ein Bündel Gras in die Hände genommen. Dann wird das Kitz behutsam, aber entschlossen in die Kiste gebettet. Dort bleibt es, bis der Landwirt die Wiese gemäht hat. Damit nichts Unvorhergesehenes geschieht, wacht währenddessen stets ein Kitzretter an der Kiste. Nachdem die Mahd auf dem Wiesenstück beendet ist, werden die Kitze sofort wieder freigelassen.
Wenn Kitze bereits flüchten
Doch nicht alle aufgespürten Kitze lassen sich bergen. Einige haben bereits einen Fluchtinstinkt entwickelt und springen ab. Dieses Verhalten zeigt, dass sie grundsätzlich in der Lage sind, sich selbst in Sicherheit zu bringen. Wichtig ist jedoch, dass sie nicht in die falsche Richtung laufen. In diesem Fall greifen wir zu Plan B: Als Menschenkette gehen wir gemeinsam durch die Wiese, treiben die Kitze aus der Gefahrenzone und stellen diese ab. Danach kann der Landwirt gefahrlos mähen.
Bilanz des Einsatzes
So wird eine Wiese nach der anderen abgeflogen und abgesucht. An diesem Tag waren es 18 Hektar – also 180.000 Quadratmeter – Fläche. Acht Kitze wurden bei diesem Einsatz vor dem Mäh-Tod gerettet. Auch bei den Suchen an den folgenden Tagen konnten noch weitere Kitze geschützt werden.
Zusammenspiel aller Beteiligten
Der Erfolg solcher Einsätze hängt vom guten Zusammenspiel aller Beteiligten ab. Deshalb erfolgen Suche und Mahd in enger Absprache zwischen Landwirt, Kitzrettung und Jagdpächter. Bei uns hat diese Zusammenarbeit hervorragend funktioniert.
Dank und weitere Informationen
Wir ziehen den Hut vor diesem großen ehrenamtlichen, zeitintensiven und körperlich anstrengenden Engagement und bedanken uns herzlich. Das habt ihr großartig gemacht! Uns haben sowohl die Zusammenarbeit als auch das Ergebnis sehr gefreut. Unsere Anerkennung haben wir gerne mit einer Spende zum Ausdruck gebracht.
Möchten auch Sie spenden oder mehr über die Arbeit der Kitzrettung erfahren? Dann lohnt sich ein Blick auf die Homepage der Kitzrettung Rheingau-Taunus e.V.
Auch die Homepage der Freiwilligen Feuerwehr Oberseelbach-Lenzhahn ist einen Besuch wert. Dort wird unter anderem anschaulich erklärt, wie die Drohnentechnik funktioniert.